Selbst die Stechmuecken scheinen in Filadelfia von den Mennoniten zur Ordnugsliebe bekehrt worden zu sein. Anders kann ich mir die nahezu gleiche Anzahl an Einstichen rund um meinen rechten und meinen linken Ellenbogen nicht erklaeren. Aktuell zaehle ich rechts 9 und links 8 davon. Die Ungleichheit kann einerseits an der unkooperativen Schlafweise des Opfers gelegen haben, oder das Ergebnis muss im Laufe des Tages auf ein neues ueberprueft werden. Erstaunlicherweise entwicklen sich viele von den Stichen erst ueber einige Stunden zu kleinen zufriedenen, rote, juckenden Poemmels. Dementsprechend gehe ich vorerst von ordentlicher, symetrischer Arbeit aus. Wir besuchten am Samstag Nachmittag die Stelle in Filadelfia, wo unter der Woche die Rinder fuer die Verladung auf LKWs zusammengetrieben werden. Duzende von Brandeisen warten dort auf ihren Einsatz und das Eintreffen der dazugehoerigen Rindviecher. Eigentlich wollten wir uns diesen Ort in Aktion ansehen. Durch meinen unfreiwilligen Hausarrest gab es diesen Ort nur in Stille getaucht. Lediglich einige LKWs und ihre Fahrer warteten bereits Samstag Nachmittag darauf am Montag ihre Ladung fuer die Schlachthoeffe in Asunsion entgegen nehmen zu duerfen. Wir hatten von der Touristeninformation einen "schoenen" Park in einigen Block Entfernung empfohlen bekommen. Bei 43 Grad spazierten wir fast eine halbe Stunde dem Highlight entgegen. Ein paar Baeume und zwei Baenke erfuellten nicht ganz unsere Erwartungen. Gemessen an der umliegenden Kargheit ist dies wahrscheinlich ganz anders zu betrachten. Uns fehlte leider die mennonitische Sichtweise und so trotteten als Ansporn fuer den Rueckweg lieber Dingen entgegen, die uns jetzt erstrebenswert vorkamen. Bei uns war es eine Flasche kaltes Wasser und wenn moeglich dazu ein kleines Eis. Auf unserem Weg zum Park war uns bereits beim Loslaufen eine leicht merkwuerdige Gestalt aufgefallen. Ganz in Tarndress mit einer Strumpfhosenmuetze ausgestattet stiefelte er aus unserem Hotel. An einem Betondenkmal der Mennoniten sahen wir ihn die Skulptur im Kreisverkehr erklimmen, um kurz dannach angestrengt und anerkennenend die Inschriften zu lesen. In diesem Moment war fuer uns "Chaco der Checker" geboren. Wenig spaeter sprach mich ploetzlich Chaco im Hotel an und lud uns an seinen Tisch. Chaco kam seiner Sprache nach aus dem fraenkischen Raum und wollte nach Paraguay umsiedeln. Er waere zivilisationsmuede und Deutschland nicht mehr sein Land. Die deutsche Staatanghoerigkeit wollte er aber trotzdem nicht abgeben und stattdessen die paraguayanische annehmen. Er hatte in Deutschland fuer die Polizei gearbeitet und dort Spuerhundstaffeln ausgebildet. Aktuell haette ihn die deutsche Regierung ausgesandt, um Spuerhunde fuer die paraguayanische Polizei auszubilden. Ausgestattet mit einem Visum fuer 10 Jahre waere das jetzt seine Aufgabe und er wuerde hier in Filadefia nur Urlaub machen nach den Strapazen der ersten Wochen. Chaco hasste das Internet und sieht jetzt schon das ganze Volk in die Konsumfalle tappen. Kurz gesagt "Chaco der Checker" war merkwuerdig, genau wie der Chaco und seine Bewohner in Teilen selbst. So seltsam, das ihn die Polizei an dem Denkmal gleich verhaften wollte, wie er erzaehlte. Wir konnten die Bedenken der Polizei gut verstehen und wuenschen Chaco weiterhin ein abenteuerliches Dogboy-Leben. Wahrscheinlich sind ihm die Hunde dann doch ein bisschen naeher als die Menschen. Heute Nacht fing es an zu regnen. Wobei Regen dem Zustand wenig gerecht wird. Ueber nacht verwandelten sich alle sandigen Wege in matschige Pisten. Ueberall quakte es und ploetzlich waren die verschiedensten Tiere und Insekten zu sehen. Unser fruehes Loskommen opferten wir leichten Herzens einer etwas trockneren Uhrzeit. Zum Glueck ist der Transchaco geteert. Im zweiten Weltkrieg bauten die Mennitoniten die Strasse von Asunsion bis Filadefia, und noch ein Stueck weiter, als Gegenleistung fuer die Freistellung vom Kriegsdienst. Innerhalb von nur zwei Jahren bauten sie diese Verbindung. Die Strecke ist groesstenteils in super Zustand, doch ab und an gibt es einige Stellen wo Fehlstuecke mit Erde aufgeschuettet wurden. Auch hier verwandelte der Regen diese Stellen in schmierige Matschpassagen. Auf dem Weg durch den Chaco war es fuer uns erstaunlich zu sehen, mit wie wenig hier die Bevoelkerung lebt. Entlang der Strassen und meist in Naehe von Estancias leben die einfachen Paraguayaner in Bretterverschlaegen oder einfach unter einer aufgespannten Plane. Der Regen in der Nacht hatte alles neben der Strasse zu kleineren Seen und Baeche gemacht. Dementsprechend standen viele Unterkuenften nach dieser Nacht mehr oder weniger tief im Wasser. Den einzigen sichtbaren Besitz, eine Matratze fungierte kurzerhand als rettendender Zufluchtsort fuer alle, die keine nassen Fuesse wollten. Trotzdem wirkten die Leute nicht ungluecklich. Mit enspannter Gelassenheit arrangierten sie sich mit der Wettersituation. Wahrscheinlich wohlwissend, das es im Jahr deutlich mehr trockene als feuchte Tage im Chaco gibt. Nichtsdestotrotz hatten wir selbst im Vergleich mit den Menschen im bolivianischen Hochland den Eindruck hier mehr Armut zu sehen. Der groesste Unterschied scheint in der Einstellung zu liegen. Derweil im Hochland alle versuchen dem Boden etwas abzuringen scheint hier alles mehr "tarnquillo" zu sein. Die Wettervorhersage hatte fuer heute Nachmittag bewoelkten Himmel angesagt. Bewoelkt war es definitiv. So bewoelkt das es genuegend Wolkenmassen zusammenkamen, um uns in regelmaessigen Abstaenden komplett zu durchnaessen. Immer, wenn wir schon das Gefuehl hatten es koennte jetzt besser werden legte die Natur ein paar Eimer nach. Ein Blitz schlug zwei Kilometer vor uns ein. Was sich zuerst mit einer Rauchsaeule aus Entfernung ankuendigte wurde beim Naeherkommen zu einem brenneden Baum. Wir hatten auf dieser Reise schon viele Blitzeinschlaege in unserer Naehe und moechten auch in Zukunft gerne auf noch naehere Beobachtungen verzichten. Kurz vor Asuncion gab der Himmel noch einmal alles um uns kurz vor der Stadt bei blauem Himmel und 37 Grad in unseren Regenklamotten regelrecht aufzukochen. Wir hatten recht schnell eine Bleibe gefunden. Ein lustiger Motorradfahrer mit einer Java von 1979 hatte uns ein Hotel gezeigt. Ausgestattet mit einer Weste von der Stadt ist er als mobile Touristeninformation unterwegs. Ein wirklich praktischer Dienst. Das Zimmer war schnell ausgemacht und ich schmolz in der Zwischenzeit regelrecht in den Klamotten dahin. Ich wollte nur noch raus aus den Sachen. Die freundliche Aufforderung des Hotelpersonals es mir fuer einige Zeit im Eingangsbereich gemuetlich zu machen war bestimmt das Letzte was ich wollte. In duennen T-Shirt bekleidet und der Klimaanlage im Ruecken konnte der Mann mein Unwillen ueberhaupt nicht verstehen. Doch mein konsternierter Blick brachte ihn doch dazu den Schluessel schneller herauszuruecken. Nach einer Dusche und einem prima Essen sieht die Welt bereits anders aus. Morgen werden wir sehen was Asuncion so zu bieten hat.
Sonntag, 6. Februar 2011
Chaco Geschichten
Selbst die Stechmuecken scheinen in Filadelfia von den Mennoniten zur Ordnugsliebe bekehrt worden zu sein. Anders kann ich mir die nahezu gleiche Anzahl an Einstichen rund um meinen rechten und meinen linken Ellenbogen nicht erklaeren. Aktuell zaehle ich rechts 9 und links 8 davon. Die Ungleichheit kann einerseits an der unkooperativen Schlafweise des Opfers gelegen haben, oder das Ergebnis muss im Laufe des Tages auf ein neues ueberprueft werden. Erstaunlicherweise entwicklen sich viele von den Stichen erst ueber einige Stunden zu kleinen zufriedenen, rote, juckenden Poemmels. Dementsprechend gehe ich vorerst von ordentlicher, symetrischer Arbeit aus. Wir besuchten am Samstag Nachmittag die Stelle in Filadelfia, wo unter der Woche die Rinder fuer die Verladung auf LKWs zusammengetrieben werden. Duzende von Brandeisen warten dort auf ihren Einsatz und das Eintreffen der dazugehoerigen Rindviecher. Eigentlich wollten wir uns diesen Ort in Aktion ansehen. Durch meinen unfreiwilligen Hausarrest gab es diesen Ort nur in Stille getaucht. Lediglich einige LKWs und ihre Fahrer warteten bereits Samstag Nachmittag darauf am Montag ihre Ladung fuer die Schlachthoeffe in Asunsion entgegen nehmen zu duerfen. Wir hatten von der Touristeninformation einen "schoenen" Park in einigen Block Entfernung empfohlen bekommen. Bei 43 Grad spazierten wir fast eine halbe Stunde dem Highlight entgegen. Ein paar Baeume und zwei Baenke erfuellten nicht ganz unsere Erwartungen. Gemessen an der umliegenden Kargheit ist dies wahrscheinlich ganz anders zu betrachten. Uns fehlte leider die mennonitische Sichtweise und so trotteten als Ansporn fuer den Rueckweg lieber Dingen entgegen, die uns jetzt erstrebenswert vorkamen. Bei uns war es eine Flasche kaltes Wasser und wenn moeglich dazu ein kleines Eis. Auf unserem Weg zum Park war uns bereits beim Loslaufen eine leicht merkwuerdige Gestalt aufgefallen. Ganz in Tarndress mit einer Strumpfhosenmuetze ausgestattet stiefelte er aus unserem Hotel. An einem Betondenkmal der Mennoniten sahen wir ihn die Skulptur im Kreisverkehr erklimmen, um kurz dannach angestrengt und anerkennenend die Inschriften zu lesen. In diesem Moment war fuer uns "Chaco der Checker" geboren. Wenig spaeter sprach mich ploetzlich Chaco im Hotel an und lud uns an seinen Tisch. Chaco kam seiner Sprache nach aus dem fraenkischen Raum und wollte nach Paraguay umsiedeln. Er waere zivilisationsmuede und Deutschland nicht mehr sein Land. Die deutsche Staatanghoerigkeit wollte er aber trotzdem nicht abgeben und stattdessen die paraguayanische annehmen. Er hatte in Deutschland fuer die Polizei gearbeitet und dort Spuerhundstaffeln ausgebildet. Aktuell haette ihn die deutsche Regierung ausgesandt, um Spuerhunde fuer die paraguayanische Polizei auszubilden. Ausgestattet mit einem Visum fuer 10 Jahre waere das jetzt seine Aufgabe und er wuerde hier in Filadefia nur Urlaub machen nach den Strapazen der ersten Wochen. Chaco hasste das Internet und sieht jetzt schon das ganze Volk in die Konsumfalle tappen. Kurz gesagt "Chaco der Checker" war merkwuerdig, genau wie der Chaco und seine Bewohner in Teilen selbst. So seltsam, das ihn die Polizei an dem Denkmal gleich verhaften wollte, wie er erzaehlte. Wir konnten die Bedenken der Polizei gut verstehen und wuenschen Chaco weiterhin ein abenteuerliches Dogboy-Leben. Wahrscheinlich sind ihm die Hunde dann doch ein bisschen naeher als die Menschen. Heute Nacht fing es an zu regnen. Wobei Regen dem Zustand wenig gerecht wird. Ueber nacht verwandelten sich alle sandigen Wege in matschige Pisten. Ueberall quakte es und ploetzlich waren die verschiedensten Tiere und Insekten zu sehen. Unser fruehes Loskommen opferten wir leichten Herzens einer etwas trockneren Uhrzeit. Zum Glueck ist der Transchaco geteert. Im zweiten Weltkrieg bauten die Mennitoniten die Strasse von Asunsion bis Filadefia, und noch ein Stueck weiter, als Gegenleistung fuer die Freistellung vom Kriegsdienst. Innerhalb von nur zwei Jahren bauten sie diese Verbindung. Die Strecke ist groesstenteils in super Zustand, doch ab und an gibt es einige Stellen wo Fehlstuecke mit Erde aufgeschuettet wurden. Auch hier verwandelte der Regen diese Stellen in schmierige Matschpassagen. Auf dem Weg durch den Chaco war es fuer uns erstaunlich zu sehen, mit wie wenig hier die Bevoelkerung lebt. Entlang der Strassen und meist in Naehe von Estancias leben die einfachen Paraguayaner in Bretterverschlaegen oder einfach unter einer aufgespannten Plane. Der Regen in der Nacht hatte alles neben der Strasse zu kleineren Seen und Baeche gemacht. Dementsprechend standen viele Unterkuenften nach dieser Nacht mehr oder weniger tief im Wasser. Den einzigen sichtbaren Besitz, eine Matratze fungierte kurzerhand als rettendender Zufluchtsort fuer alle, die keine nassen Fuesse wollten. Trotzdem wirkten die Leute nicht ungluecklich. Mit enspannter Gelassenheit arrangierten sie sich mit der Wettersituation. Wahrscheinlich wohlwissend, das es im Jahr deutlich mehr trockene als feuchte Tage im Chaco gibt. Nichtsdestotrotz hatten wir selbst im Vergleich mit den Menschen im bolivianischen Hochland den Eindruck hier mehr Armut zu sehen. Der groesste Unterschied scheint in der Einstellung zu liegen. Derweil im Hochland alle versuchen dem Boden etwas abzuringen scheint hier alles mehr "tarnquillo" zu sein. Die Wettervorhersage hatte fuer heute Nachmittag bewoelkten Himmel angesagt. Bewoelkt war es definitiv. So bewoelkt das es genuegend Wolkenmassen zusammenkamen, um uns in regelmaessigen Abstaenden komplett zu durchnaessen. Immer, wenn wir schon das Gefuehl hatten es koennte jetzt besser werden legte die Natur ein paar Eimer nach. Ein Blitz schlug zwei Kilometer vor uns ein. Was sich zuerst mit einer Rauchsaeule aus Entfernung ankuendigte wurde beim Naeherkommen zu einem brenneden Baum. Wir hatten auf dieser Reise schon viele Blitzeinschlaege in unserer Naehe und moechten auch in Zukunft gerne auf noch naehere Beobachtungen verzichten. Kurz vor Asuncion gab der Himmel noch einmal alles um uns kurz vor der Stadt bei blauem Himmel und 37 Grad in unseren Regenklamotten regelrecht aufzukochen. Wir hatten recht schnell eine Bleibe gefunden. Ein lustiger Motorradfahrer mit einer Java von 1979 hatte uns ein Hotel gezeigt. Ausgestattet mit einer Weste von der Stadt ist er als mobile Touristeninformation unterwegs. Ein wirklich praktischer Dienst. Das Zimmer war schnell ausgemacht und ich schmolz in der Zwischenzeit regelrecht in den Klamotten dahin. Ich wollte nur noch raus aus den Sachen. Die freundliche Aufforderung des Hotelpersonals es mir fuer einige Zeit im Eingangsbereich gemuetlich zu machen war bestimmt das Letzte was ich wollte. In duennen T-Shirt bekleidet und der Klimaanlage im Ruecken konnte der Mann mein Unwillen ueberhaupt nicht verstehen. Doch mein konsternierter Blick brachte ihn doch dazu den Schluessel schneller herauszuruecken. Nach einer Dusche und einem prima Essen sieht die Welt bereits anders aus. Morgen werden wir sehen was Asuncion so zu bieten hat.
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