Freitag, 28. Januar 2011

Der Schatz im Silberberg
















Gestern haben wir einen Zeitsprung in die Vergangenheit gemacht. In dieser Vergangenheit sind Pressluft und elektrische Stirnlampen schon angekommen, dafuer ist alles Andere aber original. Wir hatten uns den Besuch im Cerro Rico in Potosi extra fuer den naechsten Tag eingeplant, um uns besser an die Hoehe zu gewoehnen. Bei 4.070 Metern in der Innenstadt und zwischen 4.200 - 4.600 Metern am Silberberg von Potosi merken wir als Flachlandmenschen die Hoehe deutlich. Es heisst die Hoehenkrankheit wuerde sich nach einigen Tagen aufloesen. Nach zwei Tagen ist davon nichts zu spueren. Am Morgen wache ich mit einer Moerderbirne auf und auch das Fruehstueck will in diesem Zustand nicht so recht an mich gehen. Gaby geht es deutlich besser, aber auch sie merkt die Hoehe. Da wir weder Zeit noch Lust haben im Selbstexperiment auszutesten, nach wie vielen Tagen dieser Effekt tatsaechlich eintritt, machen wir uns trotzdem auf den Weg. Zuvor heisst es noch sich mit Gummistiefeln, Helmen, Stirnlampen und Schutzklamotten fuer die eigenen Kleidung einzudecken. Ein kleiner Stop auf dem Minenarbeitermarkt versorgt uns mit den passenden Gastgeschenken fuer die Arbeiter. Dynamit, Kokablaetter, Zigaretten, 98%tiger Alkohol und jede Menge ultrasuesse Limonaden. Der Besuch der Minen ist ein Besuch im laufenden Betrieb. Hier gibt es keinen Touristenstollen zum Reinschnuppern. Nachdem die Spanier von 1545 bis zum 18. Jahrhundert den groessten Teil des Silbervorkommens nach Europa geschafft hatten blieben fuer die Bolivianer nur klaegliche Reste des immensen Vorkommens uebrig. Ueber 60.000 Tonnen Silber sollen von hier aus nach Europa und ueberall in die Welt gewandert sein. Aktuell wird in Potosi im Cerro Rico nach Zinn- und Zinkerz gesucht. Dank der hohen Weltmarktpreise loht sich dieser Aufwand noch. Von armdicken Edelmetalladern kann hier schon lange nicht mehr die Rede sein. Meinen Kopf hatte ich in der Zwischenzeit mit Aspirin einigemassen eingefangen und dazu muemmelten wir ordentlich Cocablaetter im Bus zu den Minen. Das soll ja helfen. Und alles was gegen Hoehenuebel hilft, sollte uns recht sein. Die ganze Tour dauerte ca. 2,5 Stunden. Im ersten Teil konnten wir uns halbgebueckt vorwaerts bewegen. Wobei ich mehrfach die Sinnhaftigkeit meines Helms testete. In regelmaessigen Abstaenden blieb ich an irgendeinem Balken oder Felsvorsprung haengen. Bereits in der ersten Sektion war die Luft recht staubig und stickig. Belueftet wird das ganz System nur durch die Eingaenge oder Foederschaechte. Im Prinzip ist das ganz einfach. Je tiefer, umso mieser wirds. Fuer Gaby war nach dem ersten Stueck Schicht im Schacht. Die warme, staubige und arsenhaltige Luft in Kombination mit den engen Gaengen waren zu viel fuer sie. In verschiedenen Stellen des Berges zollen die Minenarbeiter dem Teufel des Berges "el Tio" ihren Tribut. Im zu Ehren werden in einigen Nischen Teufelsstatuen aufgebaut. Um den eigenen Gewinn zu beschleunigen oder um sich vor Unfaellen zu schuetzen spenden sie ihm taeglich reichlich Alkohol, Cocablaetter und Zigaretten. Er ist der Herrscher des Unterirdischen und wird mit riesigem Penis abgebildet. In unserem Fall hatte er laut unseres Fuehrers zu viel Chucuchucu in der Nacht zuvor mit Pachamama (Mutter Erde) gemacht, was einen klaren Penisbruch zur Folge hatte. Ob das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen waere konnte er nicht sagen. In die zweite Sektion ging es krauchend und kriechend. Mal auf allen vieren, mal auf Ruecken und Hosenboden rutschend bewegten wir uns immer tiefer in den Berg. Mit jedem Meter wurde es waermer und von Frischluftzufuhr war schon lange keine Spur. Der Helm schien mir den Kopf zusammenzuhalten. Der gute Ratschlag bei groessen Hoehen auch leichtere Anstrengunmgen zu vermeiden war aktuell nicht umsetzbar. Irgendwann waren wir am Ende eines Ganges angekommen. Dort kauerte in der hintersten Ecke ein Minenarbeiter und haemmerte von Hand ein Loch in den Felsen fuer eine Sprengladung. Der ihm zur Verfuegung stehen Raum entsprach ungefaehr der Groesse eine etwas groesseren Minibar im Hotel. Kein Mensch weiss wieviele Stollen und Gaenge es in diesem Berg gibt. Darum kann jede Sprengung gleichzeitig auch groessere Auswirkungen auf andere Arbeiter haben, die sich darueber oder darunter durch den Felsen wuehlen. Die Vorstellung waehrend einer Sprengung in der Naehe zu sein fand ich nicht sonderlich behaglich. Nach knapp 2 Stunden waren wir im unteren Teil der Mine angekommen. Hier staubte es weniger, aber dafuer herrschten hier 35 Grad. Die Luft roch recht intensiv nach irgendwelchen Gasen. Immer wieder mussten wir uns an die Seiten draengen, wenn eine Lohre rumpelnd durch die Geange kam. Die 2 Tonnen schweren Teile werden von 2-4 Leuten durch den Berg geschoben. Ich fand bereits "lockeres" Kriechen und Spazierengehen mehr als anstrengend. Als ich endlich aus dem Berg wieder rauskam war ich voellig durchgeschwitzt. Die Cocablaetter waren in der Zwischenzeit in meinen Magen gewandert und puenktlich zum Ausgang beschlossen auch diese ueber den gleichen Weg wie sie herein gekommen waren auch wieder aussteigen zu wollen. Begleitet von einer Flasche Wasser flutschte das gute Kraut aus mir. Den Rest des Tages hatten wir als kleine Nebenwirkung unsere Zungen eine Art Loeschblattfunktion uebernommen. Auch Unmengen an Wasser konnten dieses Gefuehl nicht beseitigen. Fuer unsere Abfahrt hatten wir noch schnell unsere Waesche in die Lavanderia gebracht. Und auch hier ist Bolivien fuer eine kleine Ueberraschung gut. Waehrend in allen anderen Laendern die Waesche landestypisch seifig gut riecht ist in Bolivien Desinfektion angesagt.
Unsere Klamotten riechen ein wenig so als haetten wir damit eine Werkstatt mit Motorkaltreiniger ausgewischt. Mein T-Shirt fuer die Nacht hatte eine schier narkotisierde Wirkung. Sobald der Stoff warm wird verbreitet er seine ganze Wirkung. Fruehlingsduft auf bolivianisch. Unser salbungsvolles Verhalten mittels Korrosiosloesers und die leichte Zuhilfenahme unseres Gummihammers haben Gabys Lenkradschloss wiederbelebt. Heute haben wir nur einen kurzen Hopser nach Sucre gemacht und morgen wollen wir nach Samaipata. In Sucre ist bei sommerlichen Temperaturen Karneval angesagt. Dabei bewerfen die Chicos die Chicas mit Wasserbomen. Derweil wir auf dem Balkon eines Restaurants sassen konnten wir die Geschosse kreuz und quer ueber den Platz fliegen sehen. Sucre ist nicht ohne Grund Weltkulturerbe. Die "weisse" Stadt ist die besterhaltenste antike Stadt Suedamerikas. Hier ist alles super sauber und die Stadt ist voll mit Studenten und jungen Leuten. Bislang hatten wir in Bolivien sehr wenige Touristen gesehen. In Sucre ist das anders. Das angenehme Klima und die schoene Stadt zieht die Leute hierher. Darum wundert es uns auch nicht das es an jeder Ecke Sprachschulen gibt. Vielleicht ist das eine prima Option fuer einen Kurzurlaub in der Zukunft. Doch fuer diesesmal wird das nix. Die Zeitangaben fuer unsere morgige Strecke liegen zwischen 6-12 Stunden. Wir werden darum besser ausnahmsweise ganz frueh starten und lassen uns ueberraschen was der Tag so bringt. Ein Bett haben wir uns schon reserviert. Alles ganz typisch bolivianisch - im Hotel Landhaus. Wenn bolivianische Politiker Manfred heissen wundert es auch nicht mehr, wenn im dem 1.200 Seelenkaff schwaebisch gesprochen wird. Weil die Cruzenos aus der Millionenstadt diesen kleinen Ort als ein beliebtes Ausflugsziel ausgeguckt haben fanden wir es ausnahmsweise angeraten uns schon vorher schlau zu machen. Hoffentlich regnet es morgen nicht groesser sonst wird die Fahrt zur Schlammschlacht - und sehr langsam. Natuerlich wuerden wir uns auch freuen vielleicht bereits nach 10 Stunden vielleicht schon die 340 Kilometer hinter uns gebracht zu haben. Wenn die Natur und die Strassenbauer nicht ganz wilde spezielle Pruefungen fuer uns bereit halten sollte es eigentlich klappen.
In diesem Sinne - suerte.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Manfred - der Bolivianer

























































































































Wie immer waren wir spaeter losgekommen als geplant. Wir sollten uns so langsam dieser Realitaet stellen. Vor 10:30 abfahren liegt aktuell im Wunschbereich. Naja schliessliech sind wir im Urlaub und dieser sollte sich nicht unbedingt an irgendwelchen Zeiten orientieren. Dabei ist dieser Umstand des Oefteren nicht wirklich praktisch. Bei 34 Grad tagsueber steigt das Thermometer um 10:00 gerne auch schon knapp 30 Grad. Das fuehrt beim Aufpacken in voller Montur zu unkontrollierbaren Hitzewallungen. Wir haben bis zum Losfahren unsere Deos schnell bis an die Grenze ihrer Leistungsfaehigkeit herangefuehrt. Letztendlich hatten wir den Weg aus Salta herausgefunden und fuhren in Richtung Bolivien. Auch 100 kmh erzeugten an diesem Tag nur das Gefuehl die ganze Zeit auf Stufe 3 von einem Foen angeblasen zu werden. Wir erreichten frueher als gedacht die Grenze in Bolivien und entschlossen uns daraufhin bis Tarija weiterzufahren. Bereits an der Grenze war Bolivien anders als gedacht. Keine langen Kontrollen, keine Sachen auspacken. Alles ging schneller als bei den argentinischen Kollegen. Die Strecke nach Tarija war auch bereits durchgehend geteert. Kurze Zeit spaeter krabbelte eine riesige Vogelspinne quer ueber die Farbahn und es lagen sehr viele kleinere und groessere Felsbrocken auf der Stresse, die sich beim letzten Regen von den Harngen geloest hatten. Und waehrend wir noch nachdachten wie das Ganze wohl aussehen mag, wenn hier kraeftig regnet, begruesste uns auch schon eine Wolkenfront mit ergiebigen Schauer. Innerhalb weniger Minuten flossen ueberall rote Baeche von den Haengen ueber die Strasse. Hinter einer Kurve lag ein ganzer Baum quer und blockierte unsere Spur. Mit dem letzten Tageslicht erreichten wir Tarija und suchten uns eine Bleibe fuer die Nacht. Nachdem wir uns umgezogen hatten gingen wir in das Stadtzentrum etwas essen. Und auch hier war Bolivien voellig anders als man es sich vorstellt. In Tarija ist der ueberwiegende Anteil der Bevoelkerung nicht indigener Abstammung. Die Stadt ist durch den Weinanbau und Industrie relativ reich. Dementsrechend war gross und blond hier keine Seltenheit. Und der allabentlich so typische Korso um den Hautplatz verlief hier nicht mit Kisten aus den 70ern oder kleinen Mopeds, sondern hier loeste der Hummer den Mercedes ML ab - typisch Bolivien. Beim Fruehstueck kam bei mir mit beim Anblick des Zuckers eine lange vergessene Erinnerung hoch. Die grau/braune Farbe und sehr wenig Suesse liesen mich an Ostblockzeiten und Zucker aus dem Bruderstaat Cuba denken. Beim Verabschieden kam die Hotelbesitzerin zu uns und fragte nach dem wohin und woher, um kurz dannach ihr Leid ueber die aktuelle Regierung zu klagen. Es wuerde aktuell aus politschen Gruenden nicht einmal mehr den guten Zucker aus Argentinien geben. Witzig, da war er urploetzlich wieder - der Bruederstaatszucker. Manche Dinge halten sich scheinbar doch laenger als man glaubt. Ueberdies entdeckten wir in Tarija unsere erste Drive-Inn Apotheke. Der Bolivianer von Welt braucht fuer diesen Einkauf noch nicht einmal auszusteigen. Im Gegensatz zu den Blitzbulltenbratereiketten gibt es aber nicht schon 20 Meter vorher ein Mikrophon und einen Lautsprecher, wo man seine Bestellung aufgibt. Von Tarija wollten wir in einem Rutsch nach Potosi. Die Karte sagte: Kein Problem, alles geteert. Nachdem die erste Strecke nach Tarija bereits ausgebauter war als es die Karte versprach, machten wir uns keine Gedanken und bummelten uns durch den Morgen. Die Bmw wollte noch einen Bolzen am Federbein festgezogen bekommen. Die dazugehoehrige Mutter befand sich bereits auf der letzten Umdrehung. Wir schafften es dann so gegen 11.00 Uhr und waren nicht schlecht erstaunt als die geteerte Strasse nach Potosi kurz nach Tarija keine mehr war. Wir zahlten brav Maut und machten uns auf in die Berge. Ja, ja die Strasse waere groesstenteils geteert sagte man uns an der Kontrollstelle. Die Hauptstrecke wechselte zwischen breit bis einspurig und von grob bis kiesig. An einem Punkt glaubten wir uns voellig verfahren zu haben. Der Weg gabelte sich. Rechts kleiner einspuriger Feldweg. Geradeaus ein See mit badenden Menschen. Eine kurze Nachfrage bei den Badegaesten behob alle Zweifel. Einfach an den zwei schwimmenden Kindern vorbei - und lassen sie auch den planschenden LKW Fahrer rechts liegen - das ist hier der richtige Weg. Darauf folgte ein Augenrunzeln und der unausgesprochende Kommententar: "bloede Frage, das sieht man doch." Das Gewaesser war zum Glueck recht flach und kurze Zeit spaeter begegnete uns Manfred. Wie jegliche Wahlwerbung lassen die aussichtsreichen Kanditaten ihre Namen ganz selbstverstaendlich an Haeuser und Felsen pinseln. Das hat den Vorteil, das es lange haelt. Oftmals laenger als die eigene Regierungszeit. Weder haetten wir diesen Streckenverlauf noch mit Manfred fuer diesen Tag gerechnet. Die staubige Piste ruettelte uns bis 40 Kilometer vor Potosi noch gut durch und wir mussten ganz schoen Staub schlucken. Mit den letzten 20 Minuten Tageslicht erreichten wir den Asphalt und konnten etwas schneller fahren. Warum der Bolivianer bei Daemmerung und Nacht ungern das Fahrlicht einschaltet entspringt bestimmt einem uns unbekannten Ritus. Das Licht unserer Motoraeder irritierte sie so sehr, das sie zumindest kurzzeitig auch ihr Licht einschalteten. In Potosi angekommen merkten wir und die Mopeds die Hoehe von ueber 4.000 Metern. Die Buergersteige in der Stadt reichen an machen Stellen bis zum Knie. So auch die Stelle, wo die Einfahrt fuer die Hostalgarage war. Der gute Mann vom Hotel hatte zwar etwas von einem Brett gesagt aber dieses Ministueck reichte nur bis zur halbe Hoehe. Die Strasse war auch so schmal, das man auch mit voll eingeschlagenem Lenker nicht frontal auf die Rampe kam. Mit einem grossen Satz zwischen zu wenig und zuviel Schwung nahm die BMW die Huerde. Die flachere Suzuki bekam einen dicken Rumpler von der Bordsteinkante, aber das schleiendlich war auch sie drin und wir fertig. Mit leichtem Schaedel von der Hoehe kippten wir ins Bett und gingen den heutigen Tag ganz gemaechlich an. Ist ja auch hoch hier. Ein bischen Museum mit dem Besuch der ehemaligen Sildermuenzenpraegemaschine der Spanier und ein wenig Markt - das wars. Dazwischen hiess es schlummern und ganz beruhigt an die Hoehe gewoehnen. Morgen besuchen wir die Silberminen im Cerro Rinco. Gaby geht wahrscheinlich nicht in die Stollen und ich werde einmal nachsehen wie schlimm es wirklich ist.

Sonntag, 23. Januar 2011

In Deutschland nix Neues






















Von Belen fuehrt der Weg ueber die Ruta 40 und der RN 68 direkt bis nach Deutschland. Der Karte nach hatten wir nichts Besonderes erwartet und wurden um so positiver von der Strecke ueberrascht. Nach einigen Kilometern wird die 40 zur Piste. Staubige und sandige Stuecke wechseln sich mit einigen Wasserdurchfahrten ab. Auch nur kurze Regenfaelle fuellen die Entwaesserungssenken in der Strasse. Bereits hinter Mendoza waren uns der achterbahnartige Verlauf, auf der sonst kerzengeraden Strasse, aufgefallen. Man haette fast meinen koennen die Strassenbauingenieure Argentiniens haetten ein Herz fuer die Autofahrer des Landes gehabt und haben darum in unregelmaessigen Abstaenden die Fahrbahn abgesenkt, um die Langeweile auf dem Weg ein wenig zu brechen. In Wirklichkeit ist die ganze Gegend mit Wadis durchsetzt. Sobald in den Bergen auch nur der geringste Schauer faellt, fuellen sich diese schlagartig und entwaessern sich auf kuerzestem Weg - ueber die Strasse - ins offene Land. Die clevere Konstruktion hat in unseren Augen nur einen kleinen Haken. Rechts und links von der Strasse ist es oftmals deutlich trockener als auf dem Asphalt. Die kostenguenstige Loesung erfordert ueberdies auch einen staendigen Pflegeaufwand. Nach jedem Regenfall sammeln sich auf der Strassenoberflaeche groessere Mengen Sand und Erde, die dann zur Seite geschoben werden muessen. Zum Glueck hatte es scheinbar nur sehr wenig geregnet und auch nur sehr partiell. Bei einem mehrere Tage anhaltendem Regentief muss sich die ganze Gegend in kleine kuenstliche Seen unterteilen. Die unzaehligen Achterbahnstuecke lassen einiges vermuten. Von knoecheltief bis Oberkante Autodach scheint uns alles moeglich. Nach einer kurzen Pause in San Jose wurden wir kurze Zeit spaeter Opfer der suedamerikanischen Streckenfuehrung und unserer digitalen "ich-sag-dir-wo-es-lang-geht-Else". Der Strassenverlauf ist fuer unsere mitteleuropaeisch gepraegten Koepfe nicht zu verstehen. Bei uns folgt eine Hauptstrecke bei Unterbrechungen durch Ortschaften gerne einem direkten Weg und fuehrt wieder auf der anderen Seite heraus. Man folgt also einfach der Hauptstrasse und gut ist es. Hier endet die Ruta Nacional am Dorf- oder Stadtrand. Spaetestens ab hier ist nichts mehr nachvollziehbar. Der direkte Weg geht dann in mehreren Haken kreuz und quer durch die Stadt. Auf die Himmelsrichtung kann man bei dieser Rute nichts mehr geben. Gerade in dem Moment, wo man meint in immer engeren Gassen im Wohngebiet nur noch im Garten enden zu koennen, erscheint ploetzlich eine kleine Strasse, die wieder direkt auf die Hauptstrecke fuehrt - meistens. In unserem Fall endetet der direkte Weg vor einem Zaun. Das Navi meinte wir waeren richtig. Die Nachfrage bei uns ortskundig scheinenden Einwohneren bestaetigten unseren E-Guide. Im Unterschied zum Geraet hatten sie noch eine kleine Verfeinerung fuer den weiteren Verlauf parat. Hinterm Haus rechts runter und dann immer geradeaus lautete die einhellige Meinung. Das waere die Hauptstrecke zurueck auf die Ruta 40 in Richtung Salta. Gesagt getan. Der Weg muendete direkt hinter dem letzten Haus in eine Art Feldweg. Die Digi-Else frohlockte inzwischen wir wuerden uns bereits wieder auf der Ruta 40 befinden. Die Hauptstrecke verwandelte sich in den naechsten 1.000 Metern von einem Feldweg in eine einspurige Sandpiste. Am Horizont ein paar Baeume und nichts als weicher Sand. Entgegen aller gegenlaeufigen Gefuehle folgten wir tapfer dem "richtigen Pfad". Als auch die letzten Autospuren sich im Sande verliefen und nur noch ein paar Wildpferde durch ein voellig ausgetrocknetes Flussbett tollten beschlichen uns doch deutliche Zweifel. Fuer diesen Tag hatten wir keine Duenendurchquerung geplant. Nach einigen Metern sank die BMW fast im Stand bis zur Nabe im weichen Sand ein. Wir beschlossen auf den Rat der Einheimischen und den Wegvorschlag des Navis zu pfeifen und wuehlten uns zurueck in das Kaff. Nach einigen extra Schleifen hatten wir es geschafft. Zwar fuehrte jetzt unser Weg parallel zur 40, aber die Richtung stimmte. Bis dahin hatten wir eigentlich nur geplant bis Cafayate zu kommen. Doch weil der Tag noch jung war beschlossen wir doch noch bis Salta zu fahren und uns dann einen Ruhetag zu genehmigen bevor es weiter nach Bolivien geht. Von Cafayate fuehrt die direkte Strecke durch die Quebrada de las Coches. Passend zur Nachmittagssonne fuhren wir durch diese unglaubliche Landschaft mit ihren riesigen roten Felsformationen. Einige Stellen wirken fast wie gigantische Fasadenstuecke von Kathedralen. Dahinter liegt Deutschland. Als gute Alemanes konnten wir nicht umhin "klein" Alemania zu besuchen. Die bereits 1977 stillgelegte Bahnstrecke mit dem Endpunkt im winzigen Dorf war vor langer Zeit als ambitioniertes Projekt gestartet. 99 Kilometer von Salta entfernt besitzt der Ort einen eigenen Bahnhof und liegt wunderschoen am Rio de las Conchas. Hier endet die Geschichte und die Bahnstrecke gleichermassen. Waehrend andere Medien behaupten der Ort wuerde nach vielen Jahren des voelligen Stillstands sich im Aufschwung befinden konnten wir von dieser Dynamik wenig feststellen. Die stark angewachsene Einwohner Anzahl von 3 auf 10 Familien koennen wir rein optisch nicht bestaetigen. Ausser es sind vielleicht sehr kleine Familien, die unter der chinesischen 1-Kind Reglung laufen. Aber irgendwie hat dieser Ort einen besonderen Charme. Wenn sich die 10 Familien in den kommenden Jahren den einzigen Laden arbeitstechnisch so aufteilen wuerden, das um 17 Uhr die angepriesenen Kunstgegenstaende sich nicht mehr hinter verschlossenen Tueren vor Kaeufern verstecken wuerden, dann steht dem Boom fuer die kommenden Jahre bestimmt nichts mehr im Wege. Dann geht ein Ruck durch Alemania. Bis dahin heisst es bis auf Weiteres: nix neues in Deutschland. Die letzten Kilometer vor Salta ging es durch eine schlammige Ortsumgehung. Doch dann war alles gut. Prima Bleibe. Schoene Stimmung in der Stadt und vor allem leckere Steaks. So laesst es sich leben. Heute konnte ich mich gerade noch vor einer Pinkelattake retten. Ein dusseliger Hund hatte mich scheinbar mit einem Laternenpfahl verwechselt und rieb sich erst an meinem Bein, um kurz danach das hintere rechte Beinchen zu heben. Fuer den Bruchteil einer Sekunde starrte ich auf die nahende Situation und wollte nicht recht fassen was sich da ereignete. Ein Satz zur Seite rettete mein Hosenbein und meine Schuhe. Der Hund trotte sichtlich enttaeuscht ab. Mehr Aufregung war heute nicht. Jetzt geht es wieder lecker essen und Morgen wollen wir weiter.

Freitag, 21. Januar 2011

Eine Heilige fuer alle Wege







Auf unserem Weg von San Jose nach Belem folgten wir der Ruta 40, die sich ploetzlich von ihrem Fahrbahnbelag trennte und in Schotter und rote Erde ueberging. Das Ganze wirkt wie eine Wildwest Szenerie. Als die ersten grossen Kakteen am Wegesrand auftauchten machte ich mir die Muehe fuer ein Bild einen kleinen Huegel zur erklimmen. Wenige Kilometer spaeter draengelten sich die stacheliegen Gewaechse am Wegesrand geradezu um einen der vorderen Plaetze. So ist das halt mit der Natur - alles unvorhersehbar. Wenigstens gilt das fuer Stadtkinder. Zwischen roten Felsen gelegen fanden wir an unserer Strecke eine besonders huebsche Walfahrtstaette fuer die Volksheilige von Argentinien. Die Difunta Correa zog Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihrem Kind aus, um ihren Mann aus dem Herr des Facundo Quiroga zu befreien, welches im Unabhaengigkeitskrieg gegen die Spanier kaempfte. Sie erreichte ihren Mann aber nie und stuerzte in der Wueste, in der Naehe von San Juan. Ohne Wasser und Proviant kam sie bald um. Gauchos fanden die Tote und das lebendige Kind. Wie durch ein Wunder stroemte auch nach dem Ableben der Frau noch Tage lang Milch aus ihren Bruesten. Die Argentinier opfern aus diesem Grund leere Wasserflaschen an den Strassenraendern in den kleinen Walfahrtsstaetten. Hoehepunkt der Verehrung ist das Osterwochenende. An diesen Tagen stroemen 200.000 Menschen nach Vallecito zum Grab der Difunta Correa. Die Kirche hat sie nie anerkannt und bekaempft die Schutzheilige offiziell. Ein Umstand, der den durchschnittlichen Argentinier nicht in die Irre treibt und ihn scheinbar eher dazu anspornt ganz unfreiwillig Muelltrennung fuer eine gute Sache zu betreiben. Der gelbe Sack wird wohl noch auf Jahre nicht in diesen Breitengraden ankommen. Die Pilgerstaetten der Difunta Correa sind aber schon aus der Ferne durch grosse Ansammlungen von Plastikflaschen auszumachen. Um das Grab der Heiligen hat sich ueber die Jahre mittlerweile eine ganze Stadt mit Tankstelle und eigener Polizeistation gebildet. Ueberhaupt ist die gute Difunta auch fuer alle anderen Wunder zustaendig. In San Juan solle es ein Museum mit kuriosen Dankesgaben fuer die Heilige geben. Ein Ausstellungsstueck bildet der BMW eines Mannes, der beim Fischen in den Fluss fiel und lebend wieder herauskam ist noch nachvollziehbar. Fuer was aber 7200 Toilettenpapierrollen gestiftet worden sind, ist nicht beschrieben. Aber mir dreangt sich der Verdacht auf, das diese Gabe irgendetwas mit Verdauung zu tun haben muss.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Eine Empfehlung des Hauses




Aktuell sind wir in San Jose de Jachal. Gestern sind wir noch bis Uspallata gekommen und hatten dort unsere Mopeds kurzerhand in der Shoppingpassage des Hotels geparkt. Die morgentliche Suche nach dem verlorengegangenem Strom an Gabys Motorrad zog sich noch etwas in die Laenge. Doch jetzt kann den Naviknecht uns auch wieder in die Irre fuehren. Jedenfalls macht er das gerne hin und wieder. In meiner irren Vorstellung hatte ich mir ausgemalt in den kurzen sechs Wochen bestimmt nicht einmal das Werkzeug zur Hand nehmen zu muessen. Aktuell habe ich alles schon mehrfach ausgepackt, wieder zusammengepackt, um bislang noch nie gebrauchten Teile zum Einsatz zu bringen. Nach getaner Arbeit gab es ein argentinisches Fruehstueck mit mindestens 7 Sorten Zucker. Das Medialuna klebte sich direkt am Gaumen fest und wollte sich nur mit viel Kaffee wieder loesen. Die anderen Teilchen ueberboten sich an Suessstaerke. Mit Zuckerguss und kandierten giftgruenen Fruechten, mit Zuckerfaeden, mit Zuckerpuddingmasse ...
Gaby hielt sich stark zurueck. Und auch ich hatte das Gefuehl nicht nachsuessen zu wollen. Den laendlichen Ursprung in Uspallata merkt man auch im Supermarkt. Neben Klopapier, Bohnen in Dosen und Marmelade gibt es auch hier ein Regal fuer Hufeisen. Das praktische 4er Pack oder auch einzeln. Schoen nach Groessen und Einsatzzweck gestaffelt. Von Uspallata machten wir uns auf den Weg nach San Jose. Eine kleine Strasse fuehrte direkt aus dem Oertchen in die Berge und sollte laut Karte wieder hinter Mendoza auf die Ruta 40 muenden. Die auf unserer Karte als befestigte Strasse ausgewiesene Rute enpuppte sich als schoene Schotterstrecke. Auf halber Strecke hielten wir bei einem Restaurant und fragten den Kellner nach einer Karte. Der gute Mann wollte besonders hoeflich sein und erzaehlte uns das ganze Repertoire. Ja?! Gaby verfiehl auf die prima Idee nach der Empfehlung des Hauses zu fragen was ein schichscsihschs....... war.
Irgendwas mit Ziege. Wir orderten den Geheimtipp und liessen uns ueberraschen. Leider hatten wir ganz die speziellen Vorlieben der Argentinier fuer besonders fettig, gerne knorpelig und triefend oelig vergessen. Was kam war ein gute Mischung aus all diesen Leckereien. Unsere Ziegenschwarte wurde von Suesskartoffeln begleitet, die den gesamten Inhalt einer Frituese in sich aufgesogen hatten und gekonnt mit reichlich Honig im Suessegrad angehoben waren. Als besonderes Bonbon des Hauses fand ich liebevoll von einem Fettlappen umrahmt einen fein gebaratenen Ziegenhoden oder heisst es Ziegenbockhoden? Ich kann nicht sagen ob ich recht oder links auf meinem Teller hatte. Jedenfalls teilte ich mir diese Spezialitaet scheinbar mit einem weiteren Gast, weil Gaby leer ausging. Als ich bezahte kam der Kellner ploetzlich mit einer kleinen Plastiktuete um die Ecke. Und ich fuehlte mich stark an eine andere Situation erinnert. Gleucklicherweise war es nicht der zurueckgelassene Hoden sondern nur ein kleiner suesser Nachtisch fuer die Reise. Argentinier kennen den Begriff der Untersuckerung bestenfalls nur von Hoeren und Sagen. Gaby besuchte noch schnell die Toilette der Erlebnisgastronomie. Eine kleine Kerze sorgte fuer die Illumination des Geschehens. Vielleicht lassen sich so die Reinigungsintervalle auch etwas flexibler gestalten.

Salzopfer




Unser Container war wie versprochen an Ort und Stelle. Dementsprechend ging es morgens, zusammen mit allen Containerinsassen, los. Der 9-Sitzer wurde kurzerhand zum 11-Sitzer umgebaut. Zwei Gartenstuehle im Heck des Busses waren schnell zur Hand. Und so ging es leicht schwimmend und schwingend auf international erprobtem weissen Plastikgestuehl zum 20km entfernten Containerterminal. Unterwegs wurden noch zwei Kanister mit Benzin gefuellt, um die leeren Motorraeder bis zu Martina zu bekommen. Einer der Kanister konnte den Saft nicht bei sich halten und ergoss sich direkt auf der Ladeflaeche des Pickups auf dem sich auch unsere Helme befanden. Gluecklicherweise waren sie noch nicht total ertraenkt als wir am Terminal ankamen. Das Ausladen ging zusammen sehr schnell vonstatten, doch dann ging erst einmal nix mehr. Unsere Motorraeder hatten auf dem Transport von Saarbruecken nach Muenchen scheinbar eine ordentliche Packung gutes deutsches Streusalz abbekommen. An allen erdenklichen und bislang noch nie beachteten Stellen bluehte Rost und frass Korrosion. Ungluecklicherweise auch an der Elektrik von der BMW. Ein Druck auf den Starterknopf erzeugte nicht einmal das muedeste Husten. Erst nach einigen schweisstreibenden Versuchen konnten wir den Elefanten anschieben. Jetzt hiess es nicht mehr ausmachen oder abwuergen und dann bei Martina nach dem Uebel fahnden. Sich bei 32 Grad im Schatten ohne Schatten mit Streusalzschaeden auseinandersetzen zu muessen hat eine ganz unfreiwillige Komik. Nach einigem Suchen war der Starterknopf als Uebeltaeter ausgemacht. Wir hatten sicherheitshalber einen Klingelnopf besorgt und haetten diesen montiert, falls das Original sich strikt geweigert haette. Aktuell geht deweiteren die Stromversorgung fuer Gabys Navi nicht und das Lenkkopfschloss der Suzuki ist schlichtweg festkorrodiert. Bei der Suzuki typischen Materialwahl sollte Salz + Suzukieisenkram eine so gut wie festgeschweisste Verbindung erzeugt haben. Egal wir habe ja noch eine Kette dabei. Darum werden wir in nahezu stuendlichen Abstaenden gute, rostloesende Mittel in das Schloss einmassieren in der Hoffnung es moege doch noch seiner eigentlichen Bestimmung nachkommen. Wie auch immer - die BMW laueft wieder und wir koennen uns in Richtung Uspallata aufmachen. Um uns auszubremsen braucht es schon ein wenig mehr als nur ein bisschen Salz. Bilder folgen bei naechster Gelegenheit. Der Rechner hier ist ultra langsam.
Hasta pronto